Von Hausbesetzer zu Hausbesitzer

Nach unzähligen Sichtungen von Online Inseraten fünf Besichtigungen waren wir erfolgreich. Wir haben uns ein Haus in Sankt Georgen im Schwarzwald gekauft. Ein seltsames Gefühl. Als wäre man nun auf der anderen Seite. Ein nächster Schritt auf einer logischen Folge von Ereignissen bis zum perfekten Spießerleben. Erst der Schulabschluss, dann das Studium, dann der Vollzeitjob, danach Heirat, Kind und nun das Haus und der damit verbundene Kredit.

Wie in den letzten Beiträgen beschrieben, waren wir auf der Suche nach einem Haus in der relativen Nähe zur Arbeitsstätte, um einen Lebensmittelpunkt festzulegen und eine gewisse Stabilität zu erreichen. Auch wenn mir diese Stabilität Unbehagen bereitet, habe ich mehr Angst davor, niemals ankommen zu können. Bei unserer Suche legten wir darauf Wert ein relativ modernes Haus in einer realistischen Preisklasse im Grünen zu finden. Wir möchten nicht unsere Kraft in die Sanierung stecken und benötigen ausreichend Platz für unsere Familie inklusive Schwiegermutter. Da sich das Modell bewährt, muss die Schwiegermutter mit.

Unser Suchradius war der gesamte Schwarzwald. Das erste Haus, welches wir besichtigten, überzeugte zwar durch eine wundervolle Lage (was nicht ungewöhnlich ist für den Schwarzwald), viel Platz und einem schönen Garten, ein Riss quer durch das Mauerwerk vom Dach bis zum Keller durch unterschiedliche Gesteinsschichten unter dem Haus hielten uns allerdings von einem Kauf ab. Das zweite Haus in Bad Rippoldsau-Schapbach überzeugte durch einen soliden Grund mit modernen Leitungen und liebevollen Sanierungen über die Jahre. Es lag neben einem Friedhof in einem Tal. Durch die umliegenden Häuser war so der Garten maximal einsichtig und die Abgeschiedenheit des Ortes gaben uns kein gutes Gefühl. Das dritte Haus hatte großflächig Schimmel an den Wänden und das vierte Haus überzeugte durch eine Vielzahl von Verstößen gegen die EnEV.

Der Kampf mit dem Drachen

Nach also einer frustrierenden ersten Besichtigungsrunde schränkten wir unsere Suchparameter weiter ein und konzentrierten uns auf Häuser mit einer soliden Grundlage modernen Baujahres. Durch die Preiskategorie schränkte sich damit die Auswahl stark ein und Wochenlang gab es keine interessanten Objekte mehr. Als wir im Urlaub in Spanien waren gab es dann ein neues Inserat. Ein Haus in Sankt Georgen im Schwarzwald. Das Haus ist von 1997. Die Aussicht ist unverbaubar und der Garten uneinsichtig. Es verfügt über eine Einliegerwohnung (für die Schwiegermutter) und genügend Platz für bis zu drei Kindern. Also wurden wir wieder aktiv und versuchten (vergeblich) einen Termin mit dem zuständigen Makler zu vereinbaren.

Auch nach mehrmaligen Versuchen weigerte sich das Maklerbüro einen Termin zu nennen. So entschieden wir einfach zum Haus zu fahren und uns anzuschauen, ob uns grundsätzlich die Umgebung und die Außenansicht zusagt. Eine gute Entscheidung. Als wir das Haus von allen Seiten betrachteten, kam eine junge Frau aus dem Haus, die wir direkt ansprechen konnten. Sie sagte uns, dass sie unsere Daten den Besitzern weitergeben würden, die sich auch direkt meldeten. Prompt hatten wir einen Termin zu Besichtigung und fuhren zwei Tage später wieder nach Sankt Georgen.

Auch innen konnte das Haus überzeugen. Es besitzt fünf Räume, zwei Bäder, eine separate Küche, Dachboden, eine Werkstatt, zwei Kellerräume und eine Einliegerwohnung. Der Zustand ist entsprechend des Alters gut. Die Leitungen sind in Leerrohren, die Wasserleitungen aus Kunststoff. Energieträger ist Gas und ein Kaminofen. Es gibt 3 Terrassen, einen Garten, eine Garage und drei Stellplätze. Wir verliebten uns.

Leider nahmen die Probleme mit dem Maklerbüro Baum nicht ab. Nachdem wir nun das Haus besichtigt hatten und kaufen wollten, bestand der Makler darauf, dass ich ihn persönlich in Villingen-Schwenningen treffen solle. Von Köln aus waren das zwar stolze fünf Stunden Fahrt hin und fünf Stunden zurück. Ich nahm die Fahrt natürlich dennoch auf mich. Der Termin war ernüchternd. Außer eine Unterschrift zum Kaufinteresse und einem Kaffee kannte der Makler das Haus nicht und konnte auch keine Fragen beantworten. Dafür wollte er aber innerhalb von zwei Tagen zum Notar. Ein unangenehmes Gefühl von Betrug machte sich breit.

Nach einer unruhigen Nacht informierte ich also den Makler, dass ich so kurzfristig ohne meine Frau und ohne ausreichend Absprache und Prüfung durch die Bank die Immobilien nicht kaufen würde. Der Makler Bestand auf zwei Tage, da der Verkäufer das so „wolle“. Ich sagte dem Makler also ab, dass ich unter solchen Bedingungen nicht kaufe. Natürlich informierte ich den Verkäufer persönlich. Nicht minder überrascht erklärt er mir, dass er dem Makler mitnichten beauftragt hätte, uns innerhalb von zwei Tagen zum Notar zu drängen. Also vereinbarte ich mit dem Verkäufer, weiterhin am Kauf festzuhalten. Ich erhielt die Zusage, alle Angelegenheiten direkt mit dem Verkäufer zu klären. Dieser kümmerte sich dann um dem Makler.

Nach einigen weiteren Problemen in der Abstimmung im Kaufvertrag (Der Makler weigerte sich Änderungen zu koordinieren, so dass ich direkt mit dem Notar und dem Verkäufer die Änderungen durchführte) gab es noch eine Hürde. Baum Immobilien informierte mich zwei Tage vor dem Notartermin, dass die Provision in Bar beim Termin zu entrichten sei. Aus vielerlei Gründen gingen hier wieder Alarmglocken bei mir los. Steuer? Rechtssicherheit? Daher informierte ich den Makler erneut, dass ich dieses Vorgehen nicht akzeptieren kann und dass ich die Provision natürlich per Überweisung begleichen werden.

Nach dem letzten Kampf mit dem Drachen baute sich zwar eine große Anspannung auf den drohenden Termin auf, welche jedoch unbegründet war. Der Makler erschien nicht beim Termin, so dass wir in Ruhe beim Notar mit dem Verkäufer die restlichen Punkte besprechen konnten und das Haus kauften. Die Anspannung wich und das Gefühl von Spießertum hielt Einzug. Wir haben nun ein Haus.

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