Nuki – das smarte Haustürschloss im Test

In vielen Science-Fiction-Filmen öffnen sich die Türen meist wie von Geisterhand, sobald sich jemand nähert. Das funktioniert zwar nicht immer wie gewünscht, aber die Idee dahinter ist etwas, das ich wirklich als smart bezeichnen würde. Das Nuki Türschloss verspricht eine ähnliche Intelligenz. Dank Bluetooth und – mit Hilfe der zugehörigen Bridge – Internetzugang soll das Schloss vollständig vom Smartphone aus steuerbar sein. Wir haben das schlaue Schloss im Langzeittest unter die Lupe genommen.

Installation
Nuki verspricht eine einfache Installation in wenigen Minuten. Und siehe da – das Schloss ist tatsächlich in wenigen Minuten einsatzbereit. Wir haben natürlich einen entsprechenden Zylinder in der Tür gehabt, was die Sache etwas vereinfacht haben mag. Aber auch bei anderen Türen kann ich mir das Prozedere nicht kompliziert vorstellen. Die Installation der App und die Einbindung des Schlosses (inkl. Kalibrierung) war ebenfalls eine Sache von wenigen Minuten.

Etwas komplizierter war dagegen die Installation der Bridge. Was aber vor allem daran lag, dass erst einmal eine Steckdose gefunden werden wollte, die nah genug am Nuki-Schloss war, die aber andererseits nicht für lebenswichtige Geräte wie den Staubsauger gebraucht wird. Die Bridge dann durch ein langes Drücken in den Wartungsmodus zu versetzen war dann wiederum kein Problem. Etwas nachteilig – gerade wenn mit der Einrichtung der Bridge noch herumexperimentiert wird – zeigte sich allerdings die Tatsache, dass Änderungen an der Bridge ausschließlich im Wartungsmodus vorgenommen werden können. So wares jedes Mal notwendig, den Wartungsmodus aufzurufen um z.B. die IP-Adresse anzupassen. Selbst das Auslesen einiger Informationen (API-Key, Bridge-ID) funktioniert nur im Wartungsmodus. Umständlich wenn man, wie ich, Nuki über OpenHAB in meine SmartHome integriert habe.

Der tägliche Gebrauch
Schlussendlich handelt es sich bei Nuki um einen Türschlossmotor. So wirklich spannend ist es daher nicht wirklich, wenn sich auf Knopfdruck das Schloss dreht. Trotzdem wurden natürlich alle Varianten sofort ausprobiert: Das Öffnen und Schließen über die App, Selbiges auf Knopfdruck und – zur Sicherheit – natürlich noch die Old-School-Methode über einen herkömmlichen Schlüssel. Alles klappte wunderbar – und dann war die Euphorie auch schon verflogen. Bis ich dann kurze Zeit später zum ersten Mal das Haus verließ und Nuki seine ganze Schlauheit ausspielen konnte.

Durch eine Anbindung an die hauseigene Cloud ist ein sogenanntes Geofencing möglich. Mit anderen Worten: Nuki erkennt, wenn man das Haus verlässt (bzw. genauer: sich aus einem definieren Radius um das Haus herum bewegt) und fragt nach, ob man denn nicht lieber die Haustür zusperren mag (soweit sie nicht schon zugesperrt ist, natürlich). Umgekehrt wird es dann richtig spannend: nähert man sich dem Haus, weist Nuki zunächst nur darauf hin um dann beim Betreten der Fußmatte prompt die Tür zu öffnen. In unserem Fall ermöglicht Nuki durch den Türschnapper nicht nur das Aufsperren, sondern auch das physikalische Öffnen der Tür. So kann man selbst mit vollbeladenen Händen ohne Probleme ins Haus. Einfach nur praktisch!

Natürlich kann Nuki noch mehr: So gibt es eine Funktion namens „Lock’n Go“, die das Schloss aufsperrt und 20 Sekunden später zusperrt. Sehr praktisch beim Verlassen des Hauses, ein manuelles Abschließen erübrigt sich damit weitgehen. Diese Funktion kann man übrigens direkt am Schloss durch zweimaliges Drücken des Knopfes auslösen, so dass man nicht einmal das Smartphone aus der Tasche kramen muss. Weiterhin können zusätzliche Personen zur Nutzung des Schlosses eingeladen werden. Entweder permanent (in unserem Fall die Mitglieder unseres Haushaltes) oder temporär – so kann beispielsweise der Putzfrau oder dem Babysitter zu bestimmten Zeiten Zugang gewährt werden, außerhalb dieser Zeit bleibt die Pforte versperrt.
Schließlich lässt sich Nuki ebenfalls mit dem smarten Lautsprecher Amazon Echo, besser unter dem Rufnamen Alexa bekannt verbinden – das ging mir persönlich aber dann doch etwas zu weit. Allerdings existiert eine Anbindung an IFTTT, was zumindest eine eingeschränkte Einbindung in andere SmartHome-Lösungen zulässt.

Sicherheit
Der wunde Punkt, aus meiner ganz persönlichen Perspektive zumindest. Der Grund ist nicht die mangelnde Sicherheit des Produktes – die Bluetooth-Verbindung wurde vom österreichischen Hersteller, bzw. von einem unabhängigen Sicherheitstester, auf Herz und Nieren geprüft. Nein, mein Unbehagen liegt an der Cloud. Unkontrolliertes Funken ins öffentliche Netz versuche ich weitgehend zu vermeiden, aus verschiedensten Gründen. Beim Nuki sind aber die oben genannten Komfortfunktionen so extrem praktisch, dass ich dazu tendiere, eine Ausnahme zu gestatten. Dies ist aber sicherlich eine Entscheidung, die jeder persönlich für sich treffen muss.

Preis/Leistung
Die Nuki Combo aus Bridge und Schloss kostet bei Amazon (affiliate link) regulär 299 €.  Einzeln kostet Nuki 229 €, die Bridge 99 €. Ab und an einmal gibt es ein Angebot für Prime-Mitglieder – da habe ich ebenfalls zugeschlagen und die Kombo für gut 230 € erstehen können. Das bewegt sich im Rahmen anderer, ähnlicher Lösungen.

Fazit
Nuki hat sich gelohnt, so viel kann ich sagen. Den zusätzlichen Komfort, den Nuki bringt, mag ich jetzt schon, nach wenigen Wochen, nicht mehr missen. Das Nuki sich in OpenHAB einbinden lässt war eines der Kaufkriterien für mich, leider ist eine Einbindung in z.B. Homekit von Apple (noch) nicht möglich, soll aber laut Hersteller kommen.  Dennoch ist Nuki eine sinnvolle Ergänzung zu vielen SmartHome Lösungen.

 

Patrick Boch

Patrick beschäftigt sich beruflich schon länger mit Sicherheit - allerdings für eine andere Zielgruppe. Privat sorgt er lieber für ein smartes - und sicheres - Zuhause.

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