Logitech Circle 2 Testbericht

Mit der Logitech Circle wagte Logitech vor einigen Jahren den Sprung von Webcams zu Kameras im Smarthome. Damals eher als Lifestyle-Kamera positioniert, liegt der Fokus bei der neuen Version der knuffigen Kamera auf Sicherheit. Dementsprechend hat die Circle an Funktionen zugelegt. Wetterfest, intelligente Benachrichtigungen, ein wiederaufladbarer Akku – perfekt für einen Einsatz in und ums eigene Zuhause. Aber taugt die Circle 2 als Sicherheitskamera? Wir haben sie gegen die Reolink Argus antreten lassen.

Zunächst steht aber die Circle alleine im Vordergrund. Die Erstinstallation ist einfach: Auspacken, ans Kabel anschließen, App runterladen. Die App führt sehr übersichtlich durch die Installation, bei mir war die Einrichtung nach wenigen Minuten abgeschlossen. Es stellt sich dann die Frage – wohin mit der Circle? Logitech liefert eine Basisstation mit, auf der die Circle schnell platziert ist – völlig ohne Werkzeuge. Ein Set zur festen Montage gehört allerdings auch zum Lieferumfang – nur bei Testinstallationen ist das feste Montieren immer so eine Sache. Egal. Eine feste Montage empfiehlt sich in jedem Fall – die Circle ist mit der Basisstation nur über einen schmalen Stift verbunden, was je nach eingestelltem Kamerawinkel durchaus eine wacklige Angelegenheit sein kann.

The Big Picture

Einmal aufgestellt unterziehe ich zunächst die Bildqualität einer intensiven Untersuchung. Live-Bild, Standbild, Video. An den Bildern gibt es nichts auszusetzen – kein Wunder, die Circle 2 beherrscht HD mit 1080p. Eine Audiofunktion ist ebenfalls mit an Bord – die Logitech beherrscht sogar 2-Wege-Audio, man kann also nicht nur zuhören. Praktisch, um die Circle auch als Babyphone einsetzen zu können. Warum sie dafür nicht wirklich taugt, dazu später mehr. Noch ein paar Worte zum Blickwinkel: Die 180-Grad, die Circle abdeckt, können sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen – vor allem im Vergleich zu den 130-Grad der Reolink, gegen die ich sie später noch antreten lasse. Wem das zu viel ist, der kann das Sichtfeld sogar einschränken.

Ob die Reduzierung des Blickwinkels sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. Die Einstellungsmöglichkeiten der Circle wissen auf jeden Fall positiv zu überraschen. Auflösung, Mikrofonempfindlichkeit – wer viel ausprobieren möchte hat bei der Circle die Möglichkeit dazu. Gleichzeitig gibt es Standardeinstellungen, die für die meisten Nutzer ausreichend sein dürften. Logitech schafft es so, die Bastler ebenso zu bedienen wie diejenigen, die einfach nur funktionierende Technik haben möchten. Das gibt einen Daumen hoch, mindestens.

Alles einfach

Überhaupt gefällt uns die Bedienung der Circle recht gut – die App startet direkt mit dem letzten Kamerabild, die Einstellmöglichkeiten sind schnell aufgerufen. Viel wichtiger aber – schon beim Einstiegsbild sieht man sofort, wann es Aktivitäten gab, die es sich anzusehen lohnt. Ebenfalls sofort auf Abruf verfügbar: das Tagesresümee. Diese Funktionalität hat mir schon bei der ersten Version der Circle gut gefallen. Logitech stellt hier einen Zusammenschnitt aller Aktivitäten des Tages automatisch zusammen. Perfekt, wenn man die Kamera drinnen installiert hat und sehen möchte, was die Katze alles kaputt gemacht hat, während man im Büro war.

Wolkiges Smarthome

Apropos Büro: Auf die Circle kann – natürlich muss man heutzutage ja sagen – weltweit zugegrifen werden. Das bedeutet aber auch, dass die Daten in der Logitech Cloud liegen. Dieser Zugriff ist zunächst einmal kostenlos, Ihr habt dann aber nur 24 Stunden Zugriff auf die Videos. Logitech bietet zusätzlich noch ein „Circle Safe“ Abo an, mit dem die Daten dann länger (14 bis 31 Tage) gespeichert werden. Diese Abos bieten teilweise noch weitere Funktionalitäten an, beispielsweise kann die Circle bei Abschluss des Premium-Plans Menschen von Haustieren unterscheiden (siehe unten), oder Ihr könnt Bewegungszonen einrichten. Das Circle Safe Basic, das lediglich die Speicherdauer auf 14 Tage ausweitet, kostet 3,99 Euro im Monat, das Premium-Abo schlägt mit 9,99€ zu Buche. Immerhin gibt es Rabatt, wenn Ihr mehr Kameras im Einsatz habt.

Kostenlos sind dagegen die Integrationen in verschiedene Smarthome-Systeme. Eine Unterstützung von Alexa und dem Google Home Assistant gehört heutzutage zum guten Ton, die Circle unterstützt zusätzlich den HomeKit-Standard von Apple. Die Alexa Integration funktioniert tadellos – von einem Kritikpunkt abgesehen, der auch an anderer Stelle den Gesamteindruck der Circle etwas trübt – Details dazu weiter unten im Text. Übrigens: wer mehrere Sicherheitskameras verschiedener Hersteller sein eigen nennt und diese in ein Smarthome-System integrieren will, dem sei Alexa ans Herz gelegt – mit ein paar Tricks bekommt Ihr mit dem Amazon-System eigentlich jede Kamera eingebunden und – einen Echos Show oder ein FireTV vorausgesetzt – angezeigt.

The competition

Richtig bewähren muss sich die Circle aber draußen, im nasskalten Herbstwetter. Und sie muss sich einem direkten Wettbewerber stellen, der Reolink Argus. Welche der beiden Kameras eignet sich besser für die Erkennung von Bewegung? Welche produziert die besseren Nachtbilder? Welche Kamera reagiert schneller? Was ich leider aufgrund der kurzen Leihfrist nicht rausfinden konnte war die Lebensdauer der Batterie. Was ich sagen kann: trotz der vielen Spielereien, die ich ausprobiert habe, war der Akku nach drei Wochen noch halbvoll. Ihr müsst also weder im nassen Herbst noch im kalten Winter ständig raus, um Circle neu aufzuladen.

Nun denn, let the games begin. Reolink Argus vs. Logitech Circle, die Erste. Fangen wir mit der Reaktionsgeschwindigkeit an. Eine gute Sicherheitskamera sollte Bewegungen sofort registrieren und quasi übergangslos mit der Aufnahme beginnen. Das ist besonders für batterie- bzw. akkubetriebene Cams naturgemäß eine Herausforderung: läuft die Kamera durch, ist der Akku mir nichts, Dir nichts leer. Braucht sie wiederum zu lange, um aus dem Standbybetrieb aufzuwachen, ist der Einbrecher bereits über alle Berge – oder längst im Haus, ohne dass die Kamera sein Bild eingefangen hätte.

Schnellstart

Wie Ihr in folgendem Video sehen könnt, geben sich die beiden Kontrahenten Reolink wenig, was ihre „Reflexe“ angehen. Beide reagieren relativ schnell. Was auffällt: die Reolink ist sofort mit ihrem Nachtbild zur Stelle, im Laufe des kleinen Abzählreims ändert sich das Bild kaum. Die Circle dagegen braucht ca. eine Sekunde, um ihr Nachtlicht zu aktivieren – was andererseits in genau dieser ersten Sekunde dazu führt, dass meine Hand wesentlich deutlicher zu erkennen ist als bei der Argus. Läuft die Aufnahme erst einmal, ist das Bild der Circle zudem leicht heller als das der Argus und somit in meinen Augen besser zu erkennen.

Die Logitech Circle Reaktionsgeschwindigkeit:

Und im Vergleich die Reaktionsgeschwindigkeit der Reolink Argus:

Das zeigt sich übrigens auch bei den Bilder, die im Hellen aufgenommen werden. Die Circle – mit 1080p der Reolink nominell überlegen – liefert deutlich besser Bilder. Inwiefern dies wiederum für eine Sicherheitskamera ein ausschlaggebendes Kriterium ist, überlasse ich Euch.

Kamera-Mikado

Ein Unterschied zeigt sich bei der Bewegungserkennung. Vorab: bei den „wichtigen“ Bewegungen geben sich beide Kameras keine Blöße. Eine Kleintiererkennung scheint bei beiden nicht an Bord zu sein, zumindest sprangen sowohl Circle als auch Reolink an, als eine Katze sich in unseren Garten verirrte. Interessant wird es bei solchen Bewegungen, die getrost als überflüssig zu bezeichnen sind. Beispiel: sich im Wind wiegende Blätter. Sehr poetisch und entspannend anzusehen, eine Securitykamera sollte diese Bewegungen allerdings ignorieren. Das tut die Circle auch – im Gegensatz zur Reolink, die zumindest bei etwas heftigeren Windstößen sofort die Aufnahme aktiviert. Dafür schwächelt die Circle an anderer Stelle: testweise hatte ich beide Kameras auf unsere Luft-Wärmepumpe gestellt. Diese wiederum pustet nachts immer mal wieder warme Luft aus unserem Haus, was sich wiederum in einer leichten Dampfbildung äußert. In folgendem Video könnt Ihr sehen, dass die Circle diesen Damp nicht ignoriert – das hat zwar einen gewissen Unterhaltungswert (besonders im Tagesresümee), ist aber bestimmt nicht Sinn der Sache.

Lange Leitung?

Die größte Schwäche leistet sich die Circle bei einem anderen Test der Reaktionsgeschwindigkeit. Ruft man das Live-Bild der Circle auf – und dabei ist es völlig egal ob man dies über die Webseite oder die App tut – dauert es lange, bis die Kamera aus dem Standby aufwacht und etwas anzeigt. Richtig lange, wie Ihr im folgenden Video sehen könnt.

Im Vergleich dazu die Reolink:

Damit ist klar, warum sich die Circle nicht als Babyphone eignet: will man bei einer Bewegung oder einem Geräusch „mal eben“ nachsehen, was im Kinderzimmer vor sich geht, hat sich das Baby längst warm geschrien, bevor das Bild der Logitech zu sehen ist. Gleiches gilt für eine potentielle Bewegungserkennung vor der Tür. Für eine Kamera, die damit wirbt, das eigene Zuhause von unterwegs zu überwachen, ein echtes Manko. Da die Reaktionsgeschwindigkeit bei Bewegung bei der Circle dieses Problem nicht zeigt, vermute ich Probleme beim Aufbau der WLAN-Verbindung, insofern gibt es Hoffnung, dass Logitech dieses Problem in einem Firmwareupdate angeht.

Aus diesem Grund würde ich persönlich mich aktuell für die Reolink – die es inzwischen ebenfalls in einer Version 2 gibt – als Sicherheitskamera entscheiden – sie liefert zwar nicht so ein gutes Bild wie die Circle und auch die Handhabung der App ist im Vergleich etwas gewöhnungsbedürftig. Dafür habt Ihr den Vorteil, die Videos langfristig zu speichern, da Reolink MicroSD Karten unterstützt. In den meisten anderen relevanten Bereichen liegen beide Kameras gleichauf.

Fazit:

Als Lifestyle-Kamera ist die Logitech Circle eine sehr gute Wahl. Die flexiblen Aufstellmöglichkeiten, das Tagesresümee, die Bildqualität – prinzipiell lässt die Circle 2 keine Wünsche offen. Auch dem Einsatz als Sicherheitskamera steht eigentlich nichts im Wege – wenn sich das Livebild schneller aufbauen würde. Solange dieses Problem allerdings besteht, kann ich denjenigen unter Euch, die auf der Suche nach einer guten Sicherheitskamera sind, keine Kaufempfehlung für die Logitech Circle 2 aussprechen. Wer nur Wert auf die Aufnahmen legt, ist mit der Logitech dagegen gut bedient.

P.S.: Den regelmäßigeren Lesern meines Blogs wird aufgefallen sein, dass ich in diesem Artikel gar nicht über den Cloud-Zwang der Circle hergezogen bin. Das stimmt. Es ist aber einerseits so, dass auch die Reolink nicht ohne eine Cloudverbindung auskommt. Viel wichtiger aber: meine etwas extreme Haltung zur Cloud habe ich inzwischen aufgegeben. Das liegt nicht daran, dass ich die Cloud auf einmal für sicher halte. Es gibt aber einige Dinge, die Euch zumindest nicht davon abhalten sollten, auf die Cloud zu setzen. Welche das sind, beschreibe ich in einem kommenden Artikel.

Patrick Boch

Patrick beschäftigt sich beruflich schon länger mit Sicherheit - allerdings für eine andere Zielgruppe. Privat sorgt er lieber für ein smartes - und sicheres - Zuhause.

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