Kinderfreundlicher Musikplayer: „Tonies“ Alternative mit OpenHAB

Als ich die Tonies zum ersten Mal gesehen habe, habe ich sofort gedacht: „Klasse Idee“. Die Idee hinter den Hörspielboxen ist so simpel wie klever. Einfach eine Figur auf den Lautsprecher stellen und das entsprechende Hörspiel startet. Kein umständliches Erklären von Touch-Oberflächen oder auch nur von Steuerungstasten. Ideal geeignet also für kleinere Kinder. Der große Nachteil ist der Preis. Die gute Nachricht: mit etwas Bastelei und OpenHAB geht das Ganze deutlich günstiger.

Um die mögliche Ersparnis noch einmal zu verdeutlichen: gut 90 Euro kostet ein Starterset der Tonies mit einer Figur, einzelne Hörspiele kosten mindestens 15 €. Zum Vergleich: für ein Spotify Familien-Account zahle ich zwar 15 Euro im Monat, dafür können aber bis zu 5 weitere Familienmitglieder das auch. Und selbst wenn ich Hörspiele kaufe, kosten diese nur ca. 5 Euro, wenn ich sie mir als mp3 herunterlade. Die Hardware für meine Bastellösung kann wiederum nicht pauschal genannt werden – die Komponenten hatte ich schon alle hier. Zur besseren Vergleichbarkeit beschreibe ich die Bastellösung aber als „Standalone“-Version, die alle notwendigen Komponenten beinhaltet, angelehnt an die Komponenten, die ich selbst verwende. Die Idee für meine eigene Tonies-Alternative ist dabei folgende: ein einfacher Kontaktsensor, wie die meisten Tür-/Fenstersensoren es sind, simuliert bei mir das Stellen der Figur. Sobald sich der Kontakt schließt, soll ein vorher definiertes Hörspiel auf meinem Echo Dot abgespielt werden, nimmt man die Figur wieder weg (der Kontakt öffnet sich), stoppt das Hörspiel. Den Sensor werde ich dann später auf eine Figur kleben – wer einen 3D-Drucker sein eigen nennt, kann hier natürlich richtig aus dem Vollen schöpfen und tatsächlich eine Figur drucken, die einen Platz für den Sensor beinhaltet. So bekommt ihr dann eine Luxus-Alternative zu den Tonies.

Langfristiges Sparpotential

Zur Hardware: Zur Installation von OpenHAB braucht Ihr einen Server, der „alyways on“ ist, damit OpenHAB das Smarthome steuern kann. Dafür bietet sich beispielsweise ein Raspberry Pi an, ein Starterset mit allem, was man braucht gibt es bei Amazon für knapp 60 €. Meine Lösung beinhaltet einen Tür-/Fenstersensor – dieser muss natürlich irgendwie in OpenHAB eingebunden werden. Ich selbst nutze die Xiaomi Smarthome Produkte (gibt es hier, ihr braucht mindestens einen Gateway und einen Sensor), die recht günstig aus China zu beziehen sind. Mit Komponenten für den hiesigen Markt geht es natürlich auch, kostet aber mehr. Als Beispiel seien hier die Hue Bridge genannt (um den Sensor per Zigbee ansprechen zu können) sowie ein passender Sensor (dieser hier scheint mit der Hue Bridge kompatibel zu sein). Alternativ könnt Ihr natürlich auch ein Zigbee-Controller für den Raspberry kaufen, wie beispielsweise diesen hier. Dann braucht Ihr noch einen Lautsprecher – ich nutze dazu den Amazon Echo Dot (dazu später mehr), wenn ihr einen anderen Lautsprecher benötigt, ändert sich die Konfiguration unten allerdings geringfügig.
Damit ist die Hardware zwar etwas teurer als die Startersets der Tonies. Aber: man hat mit dieser Ausstattung die Basis für ein umfassendes Smarthome gelegt und spart außerdem bei den Folgekosten. Wer auf einen China-Import setzt, ist sogar insgesamt kaum teurer als die Original-Tonies.

Ein „Tonie“ in wenigen Minuten

Auf die Installation von OpenHAB und den entsprechenden Bindings auf die o.g. Komponenten möchte ich nicht im Detail eingehen, dafür gibt es die entsprechenden Tutorials. Ich empfehle OpenHABian für den Raspberry, da ist das Betriebssystem direkt mit drin und die Installation ist super einfach. Neben der OpenHAB Installation an sich braucht es für meine Tonie-Alternative noch das Amazon Echo Control Binding, das Xiaomi-Binding für die Sensoren sowie ein paar neue Items und Regeln.

Der erste Teil ist schnell erledigt, dank des „Amazon Echo Control Bindings“ von OpenHAB. Auf die Idee muss man erst einmal kommen: statt mit Alexa über Sprachsteuerung etwas zu bedienen, simuliere ich eine Sprachsteuerung und kontrolliere so Alexa. Das Praktische: das Starten von einzelnen Hörspielen wird so zum Kinderspiel, im wahrsten Sinne des Wortes. Wer schon einma versucht hat, eine bestimmte Folge einer bestimmten Hörspielreihe von Spotify abzuspielen, kann meine Erleichterung darüber bestimmt nachvollziehen. Wie auch immer, mit diesem Binding lege ich drei items an: Eines zur Steuerung der Player-Befehle (Play/Pause, vor/zurück, etc.), eines um den Musikanbieter zu spezifizieren (Spotify in meinem Fall) und Eines, um den Befehl für die Playlist zu erteilen. Die items sehen dann so aus:

String Echo_Keller_Provider "Alexa Keller Musikanbieter"  {channel="amazonechocontrol:echo:yyyyyyyy:GxxxxxxxxxxxxU:musicProviderId"}

String Echo_Keller_Titel "Alexa Keller Titel" (Lichter_KG) {channel="amazonechocontrol:echo:yyyyyyyy:GxxxxxxxxxxxxU:playMusicVoiceCommand"}

Player Echo_Keller_Play "Alexa Keller Play" (Lichter_KG) {channel="amazonechocontrol:echo:yyyyyyyy:GxxxxxxxxxxxxU:player"}

In einem zweiten Schritt muss ich zunächst den neuen Sensor in meinen Xiaomi-Gateway einlernen und diesen Sensor dann als Auslöser einer Regel definieren. Sprich: Sensor geschlossen, das Hörspiel startet, Sensor offen, das Hörspiel stoppt. Die zugehörige Regel ist ebenfalls schnell geschrieben und sieht so aus.

rule "Tonie im Selbstbau"

when

    Item Toni_Sensor received update

then

if (Toni_Sensor.state == CLOSED) {

   Echo_Keller_Provider.sendCommand("SPOTIFY")

    Echo_Keller_Titel.sendCommand("Playlist toni")

    

    }

    else if (Toni_Sensor.state == OPEN) {

    

       Echo_Keller_Play.sendCommand(PAUSE)

    }

end

Mehr Spaß im Hobbyraum mit OpenHAB

Und das war es dann auch schon. Wie erwähnt, ich habe diese Konfiguration gewählt, weil alle Komponenten bei mir schon vorhanden waren. Alternativ könnte man mit einem Logitech Squeeze-Server und dem zugehörigen OpenHAB-Binding auch geladene MP3s abspielen, statt eines Sensors könnte man einen Flic-Button (oder mehrere) zum Starten von Hörspielen nutzen, oder, oder, oder. Das mag ich so an OpenHAB: einmal eingerichtet ist die Open Source Smarthome Zentrale so extrem flexibel, das beinahe alles denkbar ist! Ich gehe jetzt erstmal ??? hören.

Patrick Boch

Patrick beschäftigt sich beruflich schon länger mit Sicherheit - allerdings für eine andere Zielgruppe. Privat sorgt er lieber für ein smartes - und sicheres - Zuhause.

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