Doorbird Teil 3: Der Testbericht

So, endlich ist es soweit. Nachdem ich die Installation bzw. Montage und die Sicherheit der schlauen Türklingel aus Berlin in den ersten beiden Teilen genauer unter die Lupe genommen habe, nun der dritte Teil, der sich mit den Funktionalitäten der D2101V beschäftigt. Der „richtige“ Testbericht also. Ohne groß vorgreifen zu wollen: aber mehr, als die Doorbird bietet, kann man sich von einer smarten Klingel kaum wünschen, im Gegenteil. Doorbird bildet nicht nur für den Durchschnittsnutzer alles Wichtige ab, auch Bastler kommen voll auf Ihre Kosten. 

Aber der Reihe nach. Die Erwartungen an eine smarte Türklingel sind ja einigermaßen fest gesteckt: Push-Nachrichten aufs Handy beim Klingeln, eine Gegensprechanlage und eine Kamera sollten es schon sein, ein Betrieb in friedlicher Eintracht mit dem existierenden Türgong wäre toll. Alles darüber hinaus gehört dann schon zur Kür. Und gerade die durch die Kür kann Doorbird überzeugen. Eine Kamera, die sich über den ONVIF-Standard mit Drittanbieter-Software verbindet? Check! Eine SIP-Integration, damit beim Türklingeln auch das Telefon sich meldet? Check! Den Bewegungssensor muss man fast gar nicht mehr erwähnen, die eingebaute RFID-Schnittstelle hingegen schon. Dass über die Klingel beliebige HTTP-Aufrufe getriggert werden können ist zwar etwas für Bastler, macht aber richtig Spaß. Für jeden potentiellen Kunden interessant ist die weitgehend kostenlose Cloud-Nutzung interessant und sicherlich weder last noch least erfreut die auf SIcherheits bedachten Nutzer die flexible Nutzersteuerung. Aber halten die Funktionen auch das, was sie versprechen? Wie schlägt sich die Doorbird im Alltag?

Das Wichtigste für eine Klingel

Fangen wir bei den „Basics“ an – also erst einmal die Klingel. Bei uns ist die Doorbird mit einem klassischen Türgong verbunden, an dieser Stelle hat sich also nicht viel geändert. Allerdings gibt es hier auch den ersten Kritikpunkt. Zwar kann der Zeitplan für die (optionale) Schaltung eines Relais angepasst werden, für den Türgong gilt dies allerdings nicht. Anders gesagt: es gibt für mich – ohne die Verkabelung zu ändern – keine Möglichkeit, den Türgong beispielsweise in der Nacht abzuschalten. Nicht, dass wir des Nächtens viele Besucher hätten, aber eine solche Funktion wäre sicherlich für den einen oder anderen Nutzer praktisch. Einen Zeitplan kann man aber für die Push-Nachrichten aufs Handy festlegen. Die Notifications wiederum funktionieren zuverlässig und – was ebenso wichtig ist – zeitnah. Wäre ja blöd, wenn der Besucher schon wieder weg ist, wenn die Benachrichtigung auf dem Smartphone landet.


Einige Screens der Doorbird-App (v.l.n.r.): Startseite, Türöffnung, Einstellungsseite

Öffnet man die Benachrichtigung, landet man in der Doorbird-App und sieht sofort, wer vor der Tür steht. Nun kann man entweder die Tür öffnen oder mit dem Besucher über die eingebaute Gegensprechanlage kommunizieren. Die Gegensprechanlage tut zuverlässig ihren Dienst – Hifi-Qualität darf natürlich nicht erwartet werden, aber sowohl für den Besucher als auch über das Smartphone sind die jeweiligen Gesprächspartner klar und deutlich zu verstehen, selbst mit einigem Abstand ist eine Unterhaltung ohne Probleme möglich. Hier erfüllt Doorbird also locker alle Erwartungen. Das Öffnen der Tür wiederum funktioniert natürlich nur, wenn über einen der Relais-Anschlüsse ein entsprechender Türöffner angeschlossen ist. Allerdings ist es möglich, SmartLocks verschiedener Hersteller einzubinden. So haben wir Doorbird mit dem Nuki Smartschloss verbunden. Dann dient der „Türöffnungsbutton“ als Shortcut, der einen in die Nuki-App bringt. Eine Integration, die das Smartlock ohne Umwege öffnet, wäre zwar praktischer, aber rein technisch nicht ganz so einfach umzusetzen.

Die offene Kamera

Ein dritter, etwas kleinerer Button auf der Startseite der App schaltet die Infrarot-Beleuchtung der Klingel an – womit wir schon beim Thema Kamera wären. Da muss ich zunächst ein Geständnis machen: Ich nutze weder die Doorbird-Kamera noch die anderen IP-Kameras, die ich besitze, um professionelle Filme zu drehen. Will sagen: viele Kamerahersteller werben mit 1080p oder höherer Auflösung. Das ist natürlich praktisch, gerade wenn es um die Identifizierung eines möglichen Einbrechers handelt. Als Top-Priorität für eine Sicherheitskamera sehe ich es nicht. Die Doorbird kann 720p – was meiner Ansicht nach mehr als genug ist. Zumindest konnte ich noch jeden, der vor der Tür stand, identifizieren. Lediglich bei der Vergrößerung der Strassenansicht fällt es schwer, Personen eindeutig zuzuordnen. Das wäre aber mit jeder (deutlich besseren) Smartphone-Kamera genauso.

Die Auflösung passt also, was die Kamera von denen der Konkurrenz abhebt, ist die Flexibilität. Klar, ein Bild knipsen bei Betätigung des Klingeltons können andere auch, ein Bewegungssensor ist ebenfalls bei vielen smarten Klingeln mit an Bord. Das alle diese Funktionen aber nicht nur über die hauseigene App zur Verfügung stehen, ist schon ein Riesensprung in Richtung Integration. Das Livebild über eine einfache Webseite anzeigen lassen? Für Doorbird kein Problem, alle anderen geben sich da zugeknöpft. Eine Gratis-Cloud? Andere Anbieter stützen Ihr komplettes Geschäftsmodell auf die monatlichen Cloud-Kosten. Bei Doorbird gibt es die letzten 50 Aufnahmen gratis, das reicht in jedem Fall – zumal (siehe oben) sowohl Videos als auch Bilder über Integrationen in andere Lösungen gemacht werden können. Theoretisch könnte man die Doorbird sogar 24-Stunden kontinuierlich aufnehmen lassen. Tatsächlich habe ich genau das gemacht, über die Integration in mein hauseigenes NAS (dazu aber mehr im letzten Teil der Doorbird-Review). Fazit zur Kamera: Gute Bilder, offen für Integration (es wird sogar der ONVIF-Standard für IP-Kameras unterstützt) und eine Gratis-Cloud. Genau das sollte eine Türklingel bieten. Eine kleine persönliche Anmerkung an dieser Stelle: Die Möglichkeit einer Schnittstelle, so erfährt man aus verschiedenen Smarthome-Foren, haben einige Konkurrenten, teilweise schon vor Jahren, in Aussicht gestellt. Umgesetzt hat es bis dato nur Doorbird.

Fazit: Die Zukunft des Smarthomes

Damit sind die Funktionalitäten, die prinzipiell jede Türklingel unterstützt, auch schon beschrieben. Und schon hier schlägt die Doorbird den Großteil der Konkurrenz haushoch. Nicht nur bietet Doorbird alle Funktionalitäten für Otto-Normalnutzer, ohne dabei Einrichtung oder Einstellung komplizierter zu machen als die Konkurrenz. Nein, die Berliner zeigen sich grundsätzlich offen für Integrationen in andere Smarthome-Lösungen. Das ist nicht nur für Bastler interessant, sondern vor allem zukunftsträchtig: Wenn einzelne Hersteller-Inseln entstehen steht das ganz generell der Akzeptanz und Verbreitung von Smarthomes im Wege. Nur wenn die Hersteller sich endlich durchringen, offene Standards zu unterstützen, wird der Markt sein volles Potential erreichen können – warum bei jeder neuen Technologie immer wieder darauf hingewiesen werden muss, ist mir schleierhaft.

In jedem Fall kann die Doorbird noch deutlich mehr als die Konkurrenz – weil aber schon dieser Artikel wieder mal jeglichen Rahmen sprengt, schiebe ich einen weiteren Teil dazwischen.

Bis dahin lest Ihr die weiteren Artikel zur Doorbird hier (Teil 1) und hier (Teil 2).

Patrick Boch

Patrick beschäftigt sich beruflich schon länger mit Sicherheit - allerdings für eine andere Zielgruppe. Privat sorgt er lieber für ein smartes - und sicheres - Zuhause.

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