Der Testbericht zum Velux KLF200 – Teil 2

Zum spannenden Teil: die Integration der Velux Jalousien in unser smartes Haus. Ziel ist klar: die Fernbedienungen, die im Normalfall immer dort rumliegen, wo sie nicht hingehören, zu ersetzen und die vorhandenen Schalter für die Bedienung der Jalousien zu nutzen.

Justified und Ancient – so das Fazit im ersten Teil des Artikels. Jetzt geht es um die Integration in OpenHAB und die Bedienung durch KNX-Schalter. Diese Möglichkeit besteht durch das KLF200. Nicht ganz. Aber erst einmal zur Bedienoberfläche. Velux hat es immerhin geschafft, dem Ganzen eine einigermaßen gefällige Oberfläche zu verpassen. Kleines Detail am Rande: velux verzichtet auf das klassische Passwort, das beinahe jeder einsetzt („admin“) und verwendet ein eigenes Standardpasswort („velux123“) – nicht unbedingt sicher, aber eine Verbesserung. Ideal wäre natürlich ein Zwang zum Wechsel des Passworts nach dem ersten Login. Man wird ja nochmal träumen dürfen.

Kleine Lernschwächen

Das Anlernen der Jalousien erfolgt dann über die Fernbedienung – was auch sinnvoll ist. Dazu setzt man die Fernbedienung einmal kurz zurück und drückt dann einen beliebigen Knopf. So weit, so gut. Warum dann allerdings die Bedienung der Fernbedienung nicht 1:1 übernommen werden kann, ist mir schleierhaft. Nichts wäre einfacher, als auf einer Weboberfläche 3 Bedienelemente zu implementieren: auf, ab, stopp. Stattdessen verlangt velux das „Aufnehmen“ eines Programms. Einen einfachen „Auf“-Befehl zu simulieren bedeutet also: Aufnahme starten, mit der Fernbedienung den Befehl zum Hochfahren der Jalousie geben. Warten, bis die Jalousie komplett hochgefahren ist und sodann den „Speichern“-Knopf drücken. Ein „Aufnahme stopp“-Button wäre wohl zu einfach gewesen.

Nun denn, mit solchen Ungereimtheiten könnte ich noch leben. Schließlich muss dieses Programm nur jeweils einmal aufgenommen werden. (Ja, eigentlich – bei 3 Fenster – 6 mal, je ein Programm für auf und eines für zu.) Aber dann ist da noch diese unsägliche Latenz…aber eins nach dem anderen.

verbunden und integriert

Die Integration des Velux-Fensters in KNX (mit dem Umweg über OpenHAB) funktioniert wie gehabt: Eine Dummy-KNX-Gruppenadresse definieren, diese Gruppenadresse dem gewünschten Schalter zuweisen und eine Regel definieren die bei Betätigung des Schalters eine Regel initiert, die wiederum im OpenHAB das Velux-Binding auslöst. Das Binding ist aktuell (Stand November 2017) noch nicht Teil der Standard-Distribution, muss also separat heruntergeladen werden. Das entsprechende JAR-File zum Velux Binding gibt es hier. Diese Datei einfach in den AddOn-Folder von OpenHAB einfügen. Große Auswahlmöglichkeiten gibt es nicht, die Einrichtung gestaltet sich also recht einfach (wer es genau wissen will: hier der Link zum Readme). Last but not least sollte ein item definiert werden, meines sieht folgendermaßen aus.

Switch Velux_Jalousie_Hoch "XYZ Jalousie auf " (Shutter) { channel="velux:scene:5cce62ba:xyz_auf:ACTION" }

Die zugehörige Regel, die den Schalter mit Velux verbindet, ist denkbar einfach gestrickt und sieht bei mir so aus:

rule "Jalousie xyz auf"
when
Item KNX_Dummy_Schalter  received command ON or
Item KNX_Dummy_Schalter  received command OFF
then
sendCommand(Velux_Jalousie_Hoch, ON)
end

Hat man alles eingerichtet geht es ans Ausprobieren und hier kommt die oben genannte Latenz ins Spiel. Ich dachte zunächst, dass in der Einrichtung irgendwas schiefgegangen sei, bis ich darauf gekommen bin, dass irgendein Glied in der Kette einfach extrem langsam reagiert. (Für die Neugierigen: es ist das KLF200, das scheinbar die ihm zugesandten Befehle nicht schnell genug verarbeitet). Tatsache ist: nach Betätigen des Schalters dauert es gefühlt eine Ewigkeit (gemessen ca. 5 Sekunden), bis die Jalousie reagiert und tatsächlich in die gewünschte Richtung fährt. Einen kleinen Nachhall gibt es nach vollständiger Ausführung des Befehls ebenfalls noch: für einige Sekunden hört es sich so an, als ob die Jalousie sich nicht entscheiden könnte, ob sie doch noch etwas Anderes machen will. Sie bleibt aber glücklicherweise in der gewünschten Position.

Bleibt die Erkenntnis: es funktioniert. Nicht perfekt, aber es tut. An dieser Stelle schwärme ich einfach mal von OpenHAB. Ich habe damit inzwischen neben KNX, Tradfri und Velux, die ich ja schon beschrieben habe. Xiaomi Smarthome, Philips Hue, eine IP-Kamera…die Möglichkeiten sind endlos. Wer also vor etwas „Gefrickel“ nicht zurückschreckt, bekommt mit OpenHAB wohl die variabelste Smarthome-Lösung mit Integrationen fast aller am Markt befindlichen Smarthome Devices. Now that’s what I call connected!

Patrick Boch

Patrick beschäftigt sich beruflich schon länger mit Sicherheit - allerdings für eine andere Zielgruppe. Privat sorgt er lieber für ein smartes - und sicheres - Zuhause.

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