Der Smarthome Ratgeber

Es ist soweit. Die E-Mails mit den besten Schnäppchenangeboten, die heute morgen in meinem Postfach gelandet sind, kann ich schon gar nicht mehr zählen, hätte ich auf jedes Werbebanner geklickt, das mit noch besseren Schnäppchen wirbt, wäre ich bis zum Sankt-Nimmerleinstag beschäftigt. Grund genug, sich mal gegen den Trend zu stemmen. Ich könnte jetzt den ganzen Tag mit der Suche nach tollen Smarthome-Angeboten verbringen und Euch die Links zu (Achtung: jetzt kommen affiliate-Links) Amazon, Tink, Gearbest und Co. unter die Nase reiben. Ich lasse es aber lieber. Stattdessen lieber ein paar wirklich nützliche Tips, wie Ihr den Black Friday nutzen könnt, um Euch Euer Stmarthome einzurichten.

Dreh- und Angelpunkt: die Smarthome-Zentrale

Bevor Ihr Euch Gedankten macht, was Ihr den alles automatisieren und smart machen wollte, stellt sich zuerst die Frage wie Ihr das tun wollt. Ihr braucht nämlich auf jeden Fall eine Zentrale. Auf die einzelnen Möglichkeiten gehe ich gleich noch ein, aber Ihr solltet Euch vor der Auswahl ein paar Gedanken machen:

  • Der Preis spielt mit Sicherheit eine Rolle
  • Wollt Ihr alles aus einer Hand oder – gerade für Preis-Shopper interessant – soll das System möglichst flexibel sein und verschiedene Herstellerprodukte einbinden können?
  • Wie benutzerfreundlich soll es sein – gerade in Hinblick auf die Einrichtung? Wollt Ihr Euch, vielleicht sogar mit einem gewissen Eifer, selbst an die Sache ranwagen oder wollt Ihr es einmal mit möglichst wenig Aufwand einrichten und dann vergessen?

Das sind mit Sicherheit die drei grundsätzlichen Fragen, die von den verschiedenen Anbietern unterschiedlich beantwortet werden. Wer alles aus einer Hand möchte, ist beispielsweise bei innogy gut aufgehoben (deren Smarthome-System habe ich gerade im Test, mehr dazu später). Nachteil: wer über die von innogy angebotenen Produkte etwas einbinden möchte, kann andere Hersteller kaum einbinden. Ähnlich sieht es beim Smarthome System von Gigaset aus (das immerhin den Vorteil hat, über DECT zu funken, was dieses System recht sicher macht). Etwas besser macht es die Telekom mit ihrem Magenta Smarthome. Dieses basiert auf einer offenen Technologie, weswegen im Magenta Shop relativ viele Produkte anderer Hersteller zu finden sind. Noch einen anderen Ansatz verfolgt Homematic. Die Palette an Geräten ist hier sehr groß – obwohl nur ein Hersteller dafür verantwortlich zeichnet. Der Grund: Homematic ist einer der ersten gewesen, die sich des Themas angenommen haben. Hinzu kommt, dass bei Homematic die Preise meist akzeptabel sind.

Wer sich in den letzten Monaten einen Amazon Echo gegönnt hat, im Idealfall sogar die Plus-Version, hat eine Smarthome-Zentrale schon zuhause! Die meisten WLAN-Geräte im Smarthome-Umfeld lassen sich über Alexa einbinden, wer den Echo Plus sein eigen nennt, kann noch viele Zigbee-Produkte hinzufügen (auch hier steigt die Auswahl stetig). In diesem Fall ist eine eigene Zentrale eigentlich nicht mehr notwendig. Ähnlich Apple: deren „HomeKit“ krankte recht lange unter fehlender Unterstützung fremder Produkte. Das hat Apple aber eingesehen und die Hürden für den Einstieg gesenkt, so dass immer mehr Produkte mit eingebauter HomeKit Unterstützung den Weg in die Läden finden.

Bastlern wiederum stehen (fast) alle Wege offen. Meine Wahl ist schon vor einiger Zeit auf OpenHAB gefallen. Inzwischen kann ich damit alle Geräte, die ich mein eigen nenne, einbinden – und einige andere Geräte könnte ich einbinden, hab aber die Zeit dafür noch nicht gefunden. Ähnliches gilt für weitere Projekte, wie FHEM oder den Home Assistant (etwas unglücklich „HASS“ abgekürzt). Der Nachteil dieser Systeme ist allerdings, das etwas Technikaffinität nicht nur hilfreich, sondern notwendig ist.

Es werde Licht!

Die Beleuchtung ist wohl das, was viele als Erstes „smart“ machen wollen. Kein Wunder, „Alexa, Licht an“ ist auch dann praktisch, wenn man nicht beide Hände voll hat. Und Regeln, die das Licht einschalten wenn es (zu) dunkel sind oder man sich spätabends der Haustür nähert sind genau das, wofür das Smarthome letztendlich gedacht ist. Zum Glück gibt es gerade hier schon fast ein Überangebot an Produkten.

Ganz vorne natürlich der Platzhirsch Philips Hue. Der hat zudem den Vorteil, dass er sich in nahezu alle Smarthome-Systeme einbinden lässt, selbst die eigentlich geschlossenen Systeme bieten meist eine Integration mit Hue an. Und das Ganze funktioniert auch umgekehrt: Prinzipiell kann man alle Zigbee-basierten Beleuchtungen in Hue einbinden, die bekanntesten Vertreter sind sicherlich Osram oder Ikea Tradfri. Der Nachteil: Hue ist immer noch etwas teurer als die Konkurrenz. Zur Not reicht aber eben auch eine Hue-Bridge und bunt zusammengestellte Zigbee-Leuchten anderer Hersteller.

Wer beim Thema Beleuchtung nicht nur darauf aus ist, sein Licht über eine App (oder über Alexa) steuern zu können, sollte sich mit dem erhältlichen Zubehör befassen. Bewegungs- und Helligkeitssensoren ermöglichen eine weitgehend von manueller Interaktion unabhängige Schaltung und über Taster und Schalter macht Ihr die smarte Beleuchtung zudem einigermaßen mobil. Damit ist auch schon der größte Nachteil smarter Beleuchtung angesprochen, zumindest wenn man die Leuchten nachrüstet (was wohl bei den meisten der Fall sein wird).

Schraubt man nämlich eine Hue Birne in die normale Lampenfassung und nutzt dann den Schalter, um das Licht auszuschalten, wird die Hue vom Strom getrennt. Damit ist sie aber weder über App noch über Alex ansprechbar. Erst wenn die Lampe über den Schalter angeschaltet wird, kann man sie über die App wieder ausschalten (und dann – aber auch nur dann – wieder über die App anschalten). Ein grundsätzliches Problem. Mögliche Lösungen:

  • den „echten“ Lichtschalter deinstallieren (oder zukleben, oder, oder, oder)
  • In den Lichtschalter ein smartes Unterputzgerät einbauen und dieses ins Smarthome einbinden
  • umziehen

Ich persönlich habe mich dafür entschieden, meine vorhandenen Schalter „Hue-fähig“ zu machen – das erhöht auch den sogenannten WAF (Wife Acceptance Faktor). Aber gerade über diesen Punkt sollte man unbedingt nachdenken!

Nicht unerwähnt möchte ich noch die Beleuchtung lassen, die nicht an einem Schalter hängt, sondern an einer Steckdose. Ist nämlich ein guter Übergang zum nächsten Thema.

Power on/off

Noch ein einfacher und daher oft eingeschlagener Weg, bestimmte Geräte smart zu machen: schaltbare Zwischensteckdosen. Diese gibt es inzwischen in der Preiskategorie „a dime for a dozen“. Nun gut, das mag etwas übertrieben sein, aber bei knapp 10 Euro fangen diese smarten Zwischenstecker an. Da sollte man lediglich darauf achten, ob die verwendete Technologie mit der gewählten Smarthomezentrale kompatibel ist. Außerdem sollte das darüber gesteuerte Geräte loslegen, wenn die Steckdose mit Strom versorgt wird. Was nutzt mir eine Zwischensteckdose, wenn die daran angeschlossene Kafeemaschine zunächst in den Standby verfällt und ich für einen Koffein-Kick trotzdem noch einen Schalter drücken muss (von der Versorgung mit Kaffee und Wasser mal abgesehen).

Come to the Dark Side

Der nächste Faktor im Smarthome ist die Verdunkelung – die sich leider nicht so leicht lösen lässt, vor allem in der Nachrüstung. Die Rede ist von Rolläden und Jalousien. Wer seine Jalousien noch per Hand bedient, guckt wohl in die Röhre. Zwar gibt es elektrische Rolladenantriebe, die einfach an die Gurte gehängt werden. Aber diese Smart zu machen wäre dann direkt die nächste Herausforderung.

Wer dagegen elektrische Jalousien hat, ist etwas einfacher dran. Homematic bietet beispielsweise ein Set an, mit dem eine smarte Rolladensteuerung über die Unterputzschalter nachgerüstet werden kann. Aber auch die anderen „großen“ Hersteller von Smarthomezentralen bieten inzwischen entsprechende Lösungen an, so gibt es ähnliche Produkte von Innogy oder Bosch.

Big Brother is watching you

Kommen wir zu dem Thema, bei dem ich etwas zwiegespalten bin, Sicherheitskameras. Einerseits lassen sich Kameras ohne Weiteres in ein Smarthome einbinden. Nein, der Satz ist falsch, aus zwei Gründen. Einerseits ist das oft gar nicht so einfach, selbst bei den Bastellösungen erfordert dies etwas Hirnschmalz. Andererseits müssen Sicherheitskameras auch kaum in ein Smarthome eingebunden werden. Das wiederum bedeutet zweierlei:

  • Wer sein Zuhause überwachen möchte, kann entweder zu günstigen IP-Kameras greifen und diese dann über eine entsprechende Software so einbinden, dass er irgendwo einen Monitor/PC/Tablet hat, auf dem alle Bilder aller Kameras zu sehen sind. Oder er/sie kauft direkt ein Kameraset (das allerdings nicht immer über IP funktioniert).
  • Wer eine Einbindung in das Smarthome möchte, sollte sich überlegen, was er denn erreichen will. Das Kamerabild aufs Handy zu bekommen (oder auf ein Echo Show oder Ähnliches) erfordert fast immer proprietäre Technologien (und meist ein Cloud-Abo, aber das ist ein anderes Thema).

Aber nochmal: Kameras müssen nicht wirklich ins Smarthome eingebunden werden. Einzige Ausnahme sind vielleicht Aktionen, die einen potentiellen Einbrecher abschrecken sollen. Aber die können genausogut über Bewegungsmelder o.ä. ausgelöst werden. Unter diesen Aspekten nach Kameras zu suchen, erleichtert die Suche ungemein. Denn dann läuft es im Grund darauf hinaus, sich entweder einen Schwung IP-Cams zu besorgen oder mehrere Cams eines einzelnen Anbieters, um nicht für jede Kamera die App wechseln zu müssen.

Sesam, öffne Dich

Letztes Thema: Türen, Tore und Fenster. Hier gilt es zu unterscheiden zwischen Schließtechnik und Sensorik. Produkte, die eine Tür aufschließen können gibt es noch nicht allzuviele, Nuki ist einer dieser smarten Helfer. Aber unabhängig vom Hersteller: das ist ein smartes Device, das ich nicht mehr missen will. Mit vollen Einkaufstüten vor der Tür zu stehen, die sich sofort wie von Zauberhand öffnet…unbezahlbar. Interessanterweise ist bei dieser Problemstellung die Nachrüstung einfacher (und günstiger) als im Neubau.

Dann waren da noch die Türklingeln. Das war ja eine zeitlang mein Steckenpferd hier im Blog. Leider kommt ein Großteil der smarten Türklingeln nur für Besitzer eines Eigenheims in Frage – im Mietshaus ist das deutlich schwieriger. Immerhin gibt es dort inzwischen z.B. von Doorbird oder auch nello Abhilfe, „normale“ Gegensprechanlagen werden mit diesen Produkten aufgeschlaut.

Eigenheimbesitzer haben die Wahl zwischen weitaus mehr Systemen. Aber Ring und Co. setzen meist auf eine Cloud-Integration, die einzigen Produkte, die Standards unterstützen, wie sie z.B. auch bei normalen IP-Kameras gängig sind, bleiben die Klingeln aus dem Hause Doorbird. Diese mögen auf den ersten Blick teuer erscheinen, im Vergleich zu herkömmlichen Klingelanlagen mit Videounterstützung dagegen sind sie ein Schnäppchen – und bieten ungleich mehr Funktionen!

Kommen wir zu den Sensoren – ein wichtiges Feld für die Haussicherheit. Leider auch ein Teures. Beispiel: wir haben alleine im Erdgeschoss 6 Türen oder Fenster. Wenn ich alle mit herkömmlichen Sensoren überwachen möchte, kostet mich das selbst am Black Friday mindestens 200 Euro. Und das, obwohl ein Sensor nicht viel mehr ist als ein Magnetkontakt. Mit meinen Sensoren aus China habe ich das Ganze für unter 100 Euro realisiert – inklusive eines Zigbee-Gateways!
Wer die Bastelarbeit für diese Lösung scheut, muss sich aber keine Sorgen machen. Abgesehen vom hohen Preis sind Tür- und Fenstersensoren für fast jedes Smarthome-System erhältlich. Einzige Ausnahme: Amazon. Aber hier gibt es Hoffnung auf Besserung – in den USA lassen sich solche Sensoren schon einbinden, somit ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis diese Alexa-Funktion auch in Deutschland ausgerollt wird.

Werd ich zum Augenblicke sagen…

Die oben genannten Themen sind natürlich lange nicht das Ende der Fahnenstange. Smarthome ist wesentlich vielfältiger und bietet- Stichwort „Elderly Care“ – sicherlich noch großes Potential. Etwas stiefmütterlich habe ich auch das Thema Mediensteuerung bis dato behandelt, ein anderes, spannendes Feld (ob ich darüber mal etwas schreiben sollte?). Nicht erwähnt in diesem Beitrag ist außerdem die Auswahl für Bauherren, was wiederum ein Thema für sich ist (wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann). Aber vielleicht hilft dieser Beitrag ja dem einen oder anderen bei der Planung und Umsetzung seines Smarthomes. In diesem Sinne: viel Spaß dabei.

Patrick Boch

Patrick beschäftigt sich beruflich schon länger mit Sicherheit - allerdings für eine andere Zielgruppe. Privat sorgt er lieber für ein smartes - und sicheres - Zuhause.

Das könnte Dich auch interessieren …

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen