Amazon erobert das Smarthome

Wow, das war mal eine Produktvorstellung von Amazon. Ich gebe ehrlich zu, irgendwann habe ich den Überblick verloren, wie viele Geräte denn nun eigentlich vorgestellt wurden. Das größte Echo (No pun intended) haben sicherlich die vielen Alexa-Geräte in den Medien ausgelöst, das ist verständlich. Schließlich schickt sich Amazon an, mit dem Echo Auto das mobile Smarthome zu erobern. Von den Gerätegrößen ist vom Echo Input bis zum Echo Sub eigentlich alles dabei. Und auch für die Security-Fraktion ist mit den Ring-Produkten und der neuen „Guard“-Funktion viel im Köcher. Es gibt aber auch viel, was wenig Widerhall in den Medien fand und auch während der Produktvorstellung nur am Rande erwähnt wurde. Eine erste Einschätzung der Amazon-Offensive.

Fangen wir mal mit dem offensichtlichen an. Amazon fokussiert sich weiterhin auf den US-Markt. Das ist keine Überraschung, wurde aber gestern deutlich. Und vor allem heute offenbarte ein Blick auf die deutsche Amazon-Seite, auf der einige der gestern vorgestellen Produkte fehlten, wie stark diese Fokussierung weiter ist. Die Mikrowelle mit „Dash-Replenishment“? Ist hierzulande vermutlich nicht mal angedacht. Eine Wanduhr, die automatisch von Sommer- auf Winterzeit umstellt? Ein uralter Hut. Und auch sonst: Echo Auto wird zunächst in den USA verfügbar sein, der DVR Re-Cast sieht so überhaupt nicht für den EU-Markt gedacht aus…nun ja, ich will mich gerne eines besseren belehren lassen.

Es heißt abwarten…

Etwas schwerer wiegt da schon die Enttäuschung über viele der neuen Soft-Skills, die Alexa lernen wird. Flüstern mag man noch als Spielerei hinstellen, aber die „Hunches“ getauften Lernfähigkeiten, die Möglichkeit mit Alexa eine echte Konversation zu beginnen, ohne ständig mit „Alexa….“ neu anfangen zu müssen. Klar, das wird es auch in Deutschland irgendwann geben, bis dahin schaue ich neidisch über den großen Teich und warte darauf, dass zumindest die „Blueprints“, mit denen man sich eigene Alexa-Routinen basteln kann, endlich hierzuland verfügbar sein werden.

Meine Hoffnung richtet sich daher auch auf die neuen Entwickler-Schnittstellen, die Amazon vorgestellt hat. Dieses sind zwar etwas untergegangen, aber – gerade für Smarthome-Enthusiasten – sehr interessant. Da wäre einmal die Möglichkeit, die Echo-Show UI auf andere Geräte zu bringen. Sony hat bereits angekündigt, diese für ihre TVs zur Verfügung zu stellen. Interessant wird es aber dann, wenn alte Tablets oder ein Raspberry mit Display genau für diesen Zweck verwendet werden können. Noch interessanter: die Doorbell-API. Bei den smarten Türklingeln stellt sich oft das Problem, wie man denn – abseits von Smartphone-Benachrichtigung – überhaupt mitkriegt, dass es klingelt? Mit der Doorbell API könnte zumindest Alexa darauf hinweisen, dass gerade jemand vor der Tür steht – und ein Schwätzchen mit dem Besucher ermöglicht Alexa direkt auch. Und mithilfe der API können jetzt viele Hersteller von genau dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

Alexa sichert das Zuhause

Wer sein Smarthome für ein sicheres Zuhause verwendet, dürfte sich auf die „Guard“-Funktion freuen. Alexa hört sozusagen aufmerksam zu und sobald ein außergewöhnliches Geräusch erklingt, wird Alarm ausgelöst. Glassbruch oder das Alarmsignal eines Rauchmelders wurden als Beispiel genannt. Inwieweit Alexa hier mehr kann, wird sich zeigen – schließlich kommen Einbrecher auch gerne mal durch die Haustür herein, und das nicht immer begleitet von lauten Geräuschen. Wenn Alexa aber weiß, dass niemand zuhause ist, sollte sie auch hierauf reagieren, nicht wahr? Insofern bin ich auf diese Funktion besonders gespannt – und ob sie tatsächlich aus der Amazon Echo-Familie eine brauchbare Alarmanlage machen kann.

Last but not least wurden ja neue Ring-Produkte vorgestellt, neue Kameras gibt es. Interessant finde ich dabei vor allem die kabellose Variante der Stick-Up Kameras (auch wenn es sich dabei „nur“ um ein Upgrade handelt). Das Problem, besonders für Outdoor-Kameras sind schließlich fehlende Kabel. Bleibt natürlich das Problem mit der Cloud, aber dafür, das zeigt die große Produktshow, hat Amazon ebenfalls eine Lösung gefunden.

Amazon = Smarthome Plattform?

Das ist, schlussendlich, das Fazit, das man aus den neuen Funktionen und Produkten von Amazon ziehen kann und muss. Amazon versucht, eine Plattform für das Smarthome zu etablieren. Und die Chancen dafür stehen gar nicht mal schlecht. Zieht man alles oben gesagte in Betracht und zusätzlich Themen, die auf dem Event nicht genannt wurden (z.B. gibt es seit Ende August auch eine API für Bewegungs- und Kontaktsensoren), ist es schon heute möglich, ein Smarthome aufzubauen, das aus Alexa kompatiblen Geräten besteht. In Kombination mit günstigen Preisen, dafür ist Amazon schließlich bekannt, wird aus dem Smarthome so wirklich endlich ein Massenmarkt – allerdings, leider, in Abhängigkeit von einem großen Anbieter.

 

Patrick Boch

Patrick beschäftigt sich beruflich schon länger mit Sicherheit - allerdings für eine andere Zielgruppe. Privat sorgt er lieber für ein smartes - und sicheres - Zuhause.

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