Akku-Cam, konsequent zu Ende gedacht – Testbericht Blink (XT)

Mit batteriebetriebenen Kameras ist es ja so eine Sache. Natürlich sind sie praktisch, vor allem für Outdoor-Einsätze, weil für die Installation keinerlei Kabel benötigt werden. Auf der anderen Seite sind Akku-Cams bei weitem nicht so flexibel wie Kameras unter Dauerstrom. Ein dauerhafter Video-Feed beispielsweise würde den Akku recht schnell leer saugen. Trotzdem sollte die Kamera möglichst schnell auf Bewegungen reagieren und das Videobild sollte so fix wie möglich auf dem Smartphone oder Bildschirm erscheinen. Mit dieser Gratwanderung tun sich viele Hersteller schwer – das haben unsere Tests (hier und hier) deutlich gezeigt. Jetzt müssen die Kameras aus dem Hause Blink (inzwischen eine Amazon-Company) beweisen, dass sie diese Gratwanderung besser beherrschen als die Konkurrenz.

Zumindest die Marketing-Abteilung scheint davon überzeugt zu sein, dass Blink hier einen besseren Job als der Wettbewerb macht. 2 Jahre Batterie verspricht der Hersteller bei normaler Nutzung, auf 5 Jahre soll man maximal kommen können. Das konnten wir naturgemäß nicht verifizieren, aber es fällt auf, dass Blink einige Stromspar-Tricks auf Lager hat. Dazu später mehr. Aber schon beim Auspacken zeigt sich ein gewisser Minimalismus. Die Blink-Kameras unterscheiden sich schon optisch von denen der Konkurrenz. „Quadratisch, praktisch, gut“ ist der erste Gedanke, der einem in den Sinn kommt, hält man die Blink zum ersten Mal in den Händen. Das gilt sowohl für die beiden Kameras – uns lag ein Set aus einer Innen- sowie einer „XT“ getauften Außenkamera vor – als auch für die Steuerungseinheit, die zudem durch ihr kleines Format positiv auffällt.

Stromsparmodus ab Werk

Die Steuerungseinheit, Sync Modul genannt, ist schon der erste Hinweis, dass die Kameras konsqeuent auf bestmögliche Ausnutzung der Batterien getrimmt sind. Da das Sync Modul dauerhaft unter Strom steht, übernimmt es einen Großteil der Arbeit. Zugriff auf die Kameras, Push-Benachrichtigungen an das Smartphone – alles dies wird in der Steuerungseinheit gehandhabt. Die Aufgaben der Kameras beschränken sich somit auf die Bereitstellung der eigentlichen Bilder.

Zurück zu den Kameras. Die Innenkamera kommt im schlichten Weiß daher, die XT für den Außeneinsatz ist in mattem Schwarz gehalten. Der quadratische Formfaktor kommt beiden Einsatzszenarien entgegen: theoretisch kann die Kamera flach an eine Wand gepappt werden, was sie sehr unauffällig macht. Ansonsten gibt es zum Design wenig zu sagen. Für Datenschutzenthusiasten lässt sich immerhin sagen, dass die Kameras mittels einer blau leuchtenden LED anzeigen, wenn sie aktiv sind.

Ganz schön auf Zack

Wichtiger als das Design sind natürlich die Bilder, die von den Kameras geliefert werden. Die Qualität muss sich dabei nicht hinter den Konkurrenten von Logitech oder Reos verstecken – ihre Stärken spielen die Blink Kameras aber bei den sicherheitsrelevanten Funktionen aus. Vor allem die Reaktionsgeschwindigkeit weiß zu überzeugen. Beispiel Push-Benachrichtigungen. Diese enthalten einen direkten Link zur Blink-App, klickt man auf eine Benachrichtigung, wird nahezu ohne Verzögerung das entsprechende Video angezeigt. Die Reaktionsgeschwindigkeit des Bewegungsmelders wiederum befindet sich auf einem Niveau mit der Konkurrenz, was Ihr auf folgendem Video erkennen könnt:

Zum Vergleich nochmal das gleiche Video der Logitech Circle

Auch die App zeigt das Livebild der Kamera relativ schnell an. Hier zeigt sich übrigens wieder einer der vielen Stromspartricks von Blink. Wählt man das Foto-Symbol unten rechts, macht die Kamera einen Schnappschuss der aktuellen Situation, ein Tipp auf das Videosymbol zeigt einen Livestream, der allerdings nach 20 Sekunden stoppt – will man mehr sehen, verlängert ein weiterer Klick den Feed um weitere 20 Sekunden. Beide Features helfen natürlich dabei, die Lebensdauer der Batterie möglichst lange auszukosten. Im Video sieht das dann so aus:

Alles Einstellungssache

Wer noch mehr Strom sparen möchte, findet in der App verschiedene Einstellungsmöglichkeiten. Die Videoqualität und -dauer kann ebenso eingestellt werden wie die Reaktivierungszeit zwischen zwei Bewegungen. Die Empfindlichkeit der Bewegungssensoren lässt sich hier genauso einstellen wie die Infrarot-Strahler. Ein Zeitplan, der festlegt, wann die Kamera überhaupt anspringen soll, lässt sich über die App auch konfigurieren – allerdings zeigt sich hier ein kleiner Nachteil. Dazu muss man das Konzept der Heimüberwachung von Blink verstehen. Die höchste Ebene sind dabei Systeme. Der Einfachheit habe ich mein „System“ schlicht „zuhause“ benannt. In dieses System wiederum bindet man die verschiedenen Kameras ein. Zeitpläne wiederum gibt es nur auf System-, nicht auf Kameraebene. Das erklärt meine initiale Irritation – denn verständlicherweise wollte ich für meine Innenkamera einen anderen Zeitplan konfigurieren als für die Außenkamera. Sinnvoller wäre gewesen, die Systeme in „innen“ und „außen“ aufzuteilen – dann klappt es auch wieder mit den Zeitplänen (und so habe ich es inzwischen auch eingestellt).

Wenn einmal alles konfiguriert ist, fallen die Blink Kameras vor allem dadurch auf, dass sie nicht auffallen – perfekt, genauso sollte es sein. Die Außenkamera hat sich von den schwankenden Temperaturen und Wetterverhältnissen nicht beeindrucken lassen und liefert selbst bei Schnee noch zuverlässig ihre Bilder. Praktisch wäre noch gewesen, wenn Blink statt der per Schrauben zu befestigende Montagehalterung einen Klebestreifen mitgeliefert hätte – so wäre die Flexibilität, vor allem der Außenkamera, noch einmal gestiegen. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Gratis Cloud!

Bleibt noch ein kleiner Punkt anzusprechen: die Integration ins Smarthome. Wie eingangs erwähnt, ist eine solche Integration für akku- bzw. batteriebetriebene Kameras schwierig umzusetzen. Blink bietet immerhin eine Integration mit Alexa sowie mit dem Internetdienst IFTTT an. Über Letzteren ist es zwar möglich, sich eine E-Mail oder Benachrichtigung bei Bewegungen zusenden zu lassen oder das System zu aktivieren bzw. zu deaktivieren – leider ist es nicht möglich, die enstandenen Fotos oder Videos über diesen Weg anderweitig zu speichern als in der Cloud.

Apropos Cloud: ein großer Pluspunkt des Blink-Systems ist die kostenlose Cloud-Speicherung. 7200 Sekunden Videomaterial lassen sich hier kostenlos speichern, ist der Vorrat ausgeschöpft, werden ältere Aufnahmen automatisch überschrieben. Das Wichtigste aber: es gibt ansonsten keinerlei Einschränkungen. Nachteil, siehe oben: mit Ausnahme der Möglichkeit, einzelne Videos auf dem Smartphone zu speichern, gibt es keine andere Variante, Bilder lokal irgendwie abzuspeichern. Zum Vergleich: die Logitech Circle speichert zwar weniger Optionen im kostenlosen Basis-Cloud-Abo, bietet aber zumindest die Möglichkeit, über IFTTT Fotos anderweitig abzulegen.

Fazit

Insgesamt haben mir die Blink-Kameras sehr gut gefallen, was vor allem an der konsequenten Reduzierung auf das Notwendige liegt. Ob sich die Akkulaufzeit tatsächlich so positiv gestaltet wie von Blink angegeben, wird sich über die Zeit zeigen. Eine Erweiterung der IFTTT-Integration um die Möglichkeit, Snapshots oder Videos zumindest über diesen Weg lokal abzulegen wäre wünschenswert. Abgesehen davon und vor allem durch die kaum anfallenden Folgekosten bekommen die Blink-Kameras von mir eine klare Kaufempfehlung, wenn es um batteriebetriebene Kameras geht. Apropos Kosten: die Blink Kameras sind bei Amazon für etwas über 100 Euro zu haben, wenn ein Sync-Modul mitgekauft wird. Weitere Kameras gibt es schon für knapp unter 100 Euro. Somit liegt Blink auch preislich etwas unterhalb der Konkurrenz – rechnet man die nicht anfallenden Folgekosten ein, kann man fast schon von einem Schnäppchen sprechen.

 

 

 

Patrick Boch

Patrick beschäftigt sich beruflich schon länger mit Sicherheit - allerdings für eine andere Zielgruppe. Privat sorgt er lieber für ein smartes - und sicheres - Zuhause.

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