Tschüss Kabel: Security Cam Reolink Argus im Test

Angesichts der erschreckenden Einbruchstatistiken der letzten Jahr kein Wunder: Security Cams werden immer beliebter. Egal ob drinnen oder draußen, vielen ist es wichtig, zuhause immer nach dem Rechten schauen zu können. Gerade draußen gibt es aber oft ein Problem: Fehlende Kabel. Für den Datenstrom ist das, WLAN sei Dank, kein Problem, aber woher die Stromzufuhr nehmen? Die in Europa (noch) relativ unbekannte Marke reolink zeigt wie es geht: Mit der Argus bringen die Asiaten eine Kamera auf den Markt, die nicht nur drahtlos funkt, sondern komplett über Batteriestrom versorgt wird.

Mit dem vollständigen Verzicht auf Kabel steht die reolink Argus (fast) alleine da. Konkurrenz gibt es aus dem Hause Netgear. Die Netgear Arlo funktioniert ebenfalls batteriebetrieben und funkt über WLAN, hat unterscheidet sich von der reolink Argus aber in zwei wichtigen Punkten: Erstens gibt es Zugriff auf die Aufnahmen  nur per Cloud (und wer seine Aufnahmen länger als nur 7 Tage speichern möchte, zahlt eine monatliche Gebühr). Und zweitens braucht es einen Gateway, um die Kamera(s) überhaupt in Betrieb nehmen zu können. Die Argus funkt ihre Cloud-Aufnahmen (leider) zwar ebenfalls in die Cloud, speichert sie dafür zusätzlich noch auf einer SD-Karte. Vor allem aber funktioniert jede Argus völlig autark. Ob diese Vorteile die Arugs zu einer brauchbaren Cam-Lösung machen, zeigt unser Test.

Einrichtung

Die Argus wird mit allem Notwendigen geliefert, so dass man prinzipiell sofort loslegen kann. Lediglich eine SD-Karte fehlt, aber das ist verschmerzbar. Dafür werden gleich zwei Halterungen mitgeliefert, davon eine Sicherheitshalterung, die einen einfachen Diebstahl der Argus verhindern soll und vor allem für Outdoor geeignet sein soll.
Die Einrichtung ist schnell erledigt: Von vielen WiFi-Geräten ist man ja gewohnt, dass kurzzeitig ein eigenes WLAN-Netz aufgespannt wird, mit dem man sich für die Dauer der Einrichtung verbindet. Nicht so bei reolink. Stattdessen ist auf der Kamera ein QR-Code abgebildet, den man – nach Installation der hauseigenen App – einfach abfotografiert und schon kann die Kamera mit dem Netzwerk zuhause verbunden werden. Clever und vor allem wesentlich schneller als bei anderen Lösungen. Alleine schon, weil man die Kamera-App nicht verlassen muss.

Die Aufstellung gestaltete sich in unserem Fall – trotz der mitgelieferten Halterungen – als unkompliziert. Die Argus ist an sich schon magnetisch, so dass sie an jeder magnetischen Oberfläche – in unserem Fall eine Regenrinne – haften bleibt. Und zwar sehr sicher, bis jetzt haben weder Regen noch Sturm der kleinen Reolink etwas anhaben können. Für eine längerfristige Außeninstallation empfehlen wir aber die Nutzung der Sicherheitsbasis, keine Frage.

Die App

Einen aufgeräumten Eindruck macht die App zwar nicht unbedingt, die Bedienung ist trotzdem recht einfach, zumindest für die Ersteinrichtung. Schon nach sehr kurzer Zeit konnten wir das erste Live-Bild bewundern. Etwas komplizierter wurde es dann bei den Details. Zwar kann man den Bewegungssensor und Push-Benachrichtigungen mit einem einfachen Button an- und ausschalten. Konfigurieren muss man beide Optionen aber über den Einstellungs-Button. WLAN und die Informationen über den Batteriestatus lassen sich ebenfalls über die Einstellungen aufrufen – parallel dazu aber über zwei separate Buttons. Das ist zunächst verwirrend, macht aber im täglichen Gebrauch durchaus Sinn. Hat die Reolink beispielsweise die Terrasse im Auge, kann man den Bewegungssensor (PIR) für den gemütlichen Grillabend einfach ausschalten. So wird die Batterie geschont und nicht unnötig Alarm ausgelöst.

Wie es sich für eine Überwachungskamera gehört, gibt es natürlich weitere Optionen. Gerade der Bewegungssensor kann abhängig von Zeit und Wochentag scharf geschaltet werden, die Sensitivität kann ebenfalls eingestellt werden. Unsere Tests haben gezeigt, dass die mittlere Stufe am Besten funktioniert. Höher, und jeder vorbeifliegende Schmetterling wird erfasst, bei niedriger Einstellung freuen sich im Zweifel die Einbrecher.

Einstellen lässt sich desweiteren beinahe alles – vom Namen der Kamera über die Qualität der Videos bis hin zu der Frage, wo im Bild das Datum angezeigt werden soll. Für Experten gedacht, aber eine durchaus sinnvolle Übung: die Einstellungen für die Benachrichtigung per E-Mail. Hier müssen die Details des eigenen E-Mail-Servers angegeben werden. Das ist einerseits die bessere Variante als noch ein weiteres Cloud-Konto eröffnen zu müssen. Andererseits bleibt zu hoffen, dass diese Details nicht auf den Server von Reolink selbst gelangen.

In der Praxis

Die Argus ist inzwischen mehr als 3 Wochen dem Wetter ausgesetzt. Seit Ende Mai trotzt sie tapfer den noch verbleibenden Frühlingsstürmen, frühsommerlicher Hitzewellen sowie den darauffolgenden Gewitterfronten – ohne sichtbare Probleme, im Gegenteil: von außen zeigt sich die Cam völlig unbeeindruckt. Die Batterien – die eine maximale Laufzeit von 6 Monaten versprechen – haben sich ebenfalls noch nicht beschwert – lediglich am Anfang, als wir die PIR-Sensoren ausgereizt haben, machte uns die App darauf aufmerksam, dass darunter die Laufzeit leiden könnte. Ob das früher oder später anstehende Wechseln der Batterien auf Dauer zu nervig wird, muss sicherlich jeder für sich selbst entscheiden.

Was den weiteren Einsatz angeht hält sich die Argus vornehm im Hintergrund. Und genauso sollte es sein: schließlich soll eine Sicherheitskamera nur dann Alarm schlagen, wenn die Sicherheit tatsächlich bedroht ist. Abgesehen davon liefert die Argus qualitativ überzeugende Bilder. Diese lassen sich übrigens jederzeit aus der App aufrufen, sofern man eine SD-Karte eingelegt hat. Die einzelnen Aufnahmen sind – zumindest in der App – nicht als Dateien sichtbar, sondern können über einen Zeitstrahl aufgerufen werden.

Sicherheit

Im Zusammenhang mit einer Überwachungskamera stehen beim Thema Sicherheit immer zwei Dinge im Fokus: die zusätzliche Sicherheit, die eine solche Kamera (hoffentlich) bringt (selbst wenn diese nur gefühlt ist) sowie die technische Sicherheit der Kamera als Gerät.

Zu ersterem habe ich ein ambivalentes Verhältnis: Eigentlich nutzt es mir wenig, wenn eine Kamera gefilmt hat, wer in mein Haus eingebrochen ist. Wichtiger wäre es, einen Einbruch von vorneherein zu verhindern. Auf der anderen Seite sind sichtbare Überwachungskameras bereits ein Grund für potentielle Einbrecher, doch lieber das Weite statt die Beute zu suchen. Dieses Dilemma ist aber unabhängig von der hier getesteten Argus. Lediglich die Tatsache, dass die Reolink nicht unbedingt wie eine klassische Überwachungskamera wirkt und daher leicht übersehen werden könnte, sollte man hier ins Felde führen.

Was die Sicherheit des Geräts an sich angeht, bin ich in diesem Fall allerdings ebenso zwiegespalten. Einerseits ist positiv zu vermerken, dass die Aufnahmen nicht in einer anonymen Cloud landen. Immerhin fallen so keine weiteren Kosten an. Andererseits muss die Argus, will man seine trautes Daheim von unterwegs im Blick behalten, eine Verbindung ins öffentliche Internet aufbauen – und das tut Reolink scheinbar über seine eigenen Server. Immerhin: bleibt man im WLAN und verbietet der Argus „nach draußen zu funken“, wird der Zugriff auf die Kamera nicht eingeschränkt. Erst wenn der Zugriff über das Mobilfunknetz erfolgen soll, muss die Kamera eine Verbindung ins Internet aufbauen können. Wünschenswert wäre es außerdem, wenn Reolink einen Standard wie ONVIF unterstützen würde, um die Argus in eine heterogene IP-Cam-Landschaft einbinden zu können – vielleicht zieht Reolink an dieser Stelle aber noch nach.

Fazit

Eine gewisse Eingewöhnungszeit sollte man einplanen, bis der richtige Standort gefunden ist, die Überwachungszeiträume perfekt geplant sind und die Sensoren optimal eingestellt sind. Aber dann verrichtet die Reolink Argus klaglos ihren Dienst. Wer keine Lust hat, irgendwelche Kabel nach außen zu legen und mit einem Batteriewechsel alle paar Monate leben kann, der findet in der Argus eine brauchbare und vor allem günstige Lösung. Auf der Webseite des Herstellers kostet die Kamera 100$ – selbst mit Versand ist das deutlich günstiger als beispielsweise die Netgear Arlo. Von uns bekommt die Reolink Argus eine eindeutige Kaufempfehlung!

 

 

Patrick Boch

Patrick beschäftigt sich beruflich schon länger mit Sicherheit - allerdings für eine andere Zielgruppe. Privat sorgt er lieber für ein smartes - und sicheres - Zuhause.

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen