Kann die was? Amazfit Bip Smartwatch Review

And now for something completely different…nach den diversen Artikeln dazu, wie Smarthome-Geräte verschiedener Hersteller in über OpenHAB zusammenspielen, mal was ganz Anderes. Eine smarte Uhr statt eines smarten Zuhauses. Es geht um die Amazfit Bip – eine Smartwatch aus China. Kann die was?

Ein solcher Testbericht passt jetzt thematisch nicht ganz, ist aber bestimmt trotzdem interessant. Vor allem wenn der Urahn aller Smartwatches, die Pebble, mit der quasi brandneuen Amazfit Bip verglichen wird – schließlich ist die Pebble der Hauptgrund, warum ich überhaupt zur Amazfit Bip gegriffen aber.

Das war nämlich so: Die Pebble – genauer die Pebble Time Steel – war für mich die perfekte Smartwatch. Aus drei Gründen: 1. Hatte sie eine Batterielaufzeit von bis zu einer Woche – das können weder die Apple-Watch noch die Android-Konkurrenten von sich behaupten. 2. War die Time Steel „always on“. Man muss also nicht erst das Handgelenk heben, damit sich der Bildschirm überhaupt aktiviert. Der dritte Grund: Notifications. Gut, das können inzwischen alle schlauen Uhren, für mich ist es ein Hauptgrund für einen Kauf.

Lange Zeit hatte ich auf die Fitbit Smartwatch, inziwschen unter dem Namen Ionic erschienen, gehofft. Schließlich hatte Fitbit Pebble gekauft und ich hatte auf die Pebble-DNA gehofft. Leider vergeblich. Zwar hat auch die Ionic eine gute Batterielaufzeit und kann (natürlich) Benachrichtigungen erhalten – ist aber nicht always on. Eine echte Alternative zur Pebble schien damit auszufallen – bis ich eben auf die Amazfit Bip gestoßen bin. Und mal ehrlich – für gut 50 € Kaufpreis, so dachtei ich mir, probiere ich gerne auch eine China-Watch gerne mal aus. Hier das Resultat.

Design

Rein äußerlich soll die Bip wohl ein Apple-Watch-Klon sein. Allerdings mit großem Rand um das Display und einem sowieso wesentlich schlechteren Display, was die Auflösung angeht. Allerdings: Durch die energiesparende LCD-Technologie soll die Bip bis zu 45 Tage halten. Weiter unten dazu mehr.
Ansonsten wirkt die Bip recht leicht und dadurch nicht unbedingt hochwertig. Andererseits kann sie sich genauso viel oder wenig am Handgelenk sehen lassen wie die doch recht klobige Pebble das konnte. Meine persönliche Meinung: Die Pebble wirkte – trotz relativer Klobigkeit – etwas wertiger am Handgelenk und auch an eine Apple-Watch kommt die Amazfit nicht ran. Aber besser als die viel zu dicken, klobigen Android-Smartwatches ist sie allemal.

Funktionalität

Die Apps der Bip beschränken sich auf die für eine Smartwatch notwendigen: Aufzeichnung von Aktivitäten wie Schritte oder Workouts, eine Wetter-App, Wecker und Timer sind mit an Bord, ein Kompass und sogar zwischen 10 Watchfaces kann man wählen. Dafür können sich die Sensoren der Bip durchaus sehen lassen: Kompass, Schrittzähler, sogar ein Herzfrequenzmesser ist in den 50 € mit an Bord. Damit hat sie sogar der Pebble etwas voraus.

Wenn denn nur die Funktionalitäten all das halten würden, was sie versprechen. Die aktuelle Firmware trägt die Version 0.9.26 – ein Hinweis darauf, dass selbst der Hersteller die Software als noch nicht vollendet ansieht. Leider merkt man das im täglichen Betrieb: immer mal wieder weigerte sich die Bip, Schritte zu zählen. Und damit meine ich nicht, dass die Schritte auf dem Display nicht aktualisiert wurden – sie wurden schlicht nicht gezählt. Das ist natürlich für eine Smartwatch suboptimal, zumal das Zählen von Schritten schon fast eine Kernfunktionalität moderner Smartwatches ist. Ähnlich ist es mit der Synchronisierung zur Uhr: mal klappt sie, mal nicht. Immerhin: auch wenn sie vorgeblich nicht geklappt hat, sind die Daten meist synchronisiert, „Couldn’t sync watch data“ darf als Fehler also getrost ignoriert werden.

Schwerer wiegt dagegen schon dass erratische Hintergrundlicht. Bei der Pebble war es klar: Handgelenk kurz schütteln und das Hintergrundlicht ging an. Bei der Bip habe ich noch keine Logik gefunden, wann die Hintergrundbeleuchtung sich einschaltet und wann nicht. Am „nicht stören“-Modus, den die Bip auch bietet, scheint es jedenfalls nicht zu liegen – das Schalten der Hintergrundbeleuchtung bleibt zufällig, egal ob „nicht stören“ an- oder ausgeschaltet ist.

Die Benachrichtigungen – eines meiner KO-Kriterien, wie gesagt – kommen dagegen zuverlässig auf die Uhr. Allerdings ist die Anzeigedauer etwas sehr beschränkt, so dass man schnell sein muss, wenn man lesen will, welche App denn da gerade benachrichtigt hat. Schafft man es nicht rechtzeitig, muss die „Krone“ der Uhr bemüht werden. Diese hebt den Sperrmechanismus aus, so dass man sich erst dann durch das Menü hangeln kann. Hier wählt man dann auch ein Watchface aus (ganz ehrlich: ich hoffe, dass noch ein paar mehr Auswahlmöglichkeiten dazu kommen, so richtig überzeugt hat mich keines der Angebotenen). Und man startet, so dies gewollt ist, eine sportliche Aktivität. Leider konnte bzw. wollte ich das nicht wirklich häufig ausprobieren – bei meinem ersten Versuch schienen zwar viele Daten akkurat, aber gerade die Herzfrequenz wirkte etwas niedrig angesetzt. Dann lieber ohne.

Bleibt das letzte Kriterium, die Batterielaufzeit. Was soll ich sagen: Ungeduldig, wie ich nun einmal bin, habe ich die Bip nach dem Entpacken nur auf 99% geladen – und genau 21 Tage später wieder neu aufgeldaden. Allerdings nicht, weil sie komplett leer war, 25% zeigte der Akkustand zu diesem Zeitpunkt noch an. Mit anderen Worten: da macht Amazfit niemand so schnell etwas vor, und das ist sicherlich auch ein Hauptgrund, warum ich die Bip weiter tagtäglich trage.

Fazit:

Summa summarum (das wollte ich immer mal schreiben) bietet die Amazfit viel für Ihr Geld – was allerdings hauptsächlich am niedrigen Preis liegt. Sie bietet zwar gegenüber der „teuren“ Konkurrenz der etablierten Elektronikriesen einige Vorteile, insgesamt plagen die Bip aber noch zu viele Kinderkrankheiten. Sollte sich mit einer neueren Firmwareversion hier etwas ändern, aktualisiere ich diesen Artikel natürlich. Bis dahin spreche ich aber trotzdem eine Kaufempfehlung aus – einfach aufgrund des niedrigen Preises, der über die Makel der Amazfit Bip gerne hinwegsehen lässt.

Patrick Boch

Patrick beschäftigt sich beruflich schon länger mit Sicherheit - allerdings für eine andere Zielgruppe. Privat sorgt er lieber für ein smartes - und sicheres - Zuhause.

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